Täter Opfer Dynamik

Die Brücke vom Überleben ins Leben

Was verbindest du mit den Begriffen „Täter“ und „Opfer“? Bei den meisten werden Assoziationen zu körperlicher Gewalt geweckt. In diesem Artikel zeige ich dir jedoch, dass es oftmals um viel subtilere, feinere Aspekte von „Täter sein“ oder „sich als Opfer fühlen“ geht.

Für mich ist dieses Thema ein sehr zentrales in meiner Praxis als Prozessbegleiterin und deshalb möchte ich gerne mit dir meine Erkenntnisse teilen.

Regelmässig erlebe ich es in meinen Sitzungen, dass Klienten unbewusst in einer so genannten Täter-Opfer-Dynamik gefangen sind. Ob am Arbeitsplatz, in der Familie oder anderen Formen der zwischenmenschlichen Beziehungen, zeigt sich diese Dynamik am ehesten.

Eine Täter-Opfer-Dynamik ist wie ein Sog, der Kräfte bindet und Beziehungen lähmt

Die Auswirkungen können eine unterschiedliche Ausprägung haben, dies hängt mit der Schweregrad der erlebten, eigenen Schädigung zusammen.

Opfer Täter Dynamik

Was bedeutet der Begriff Opfer oder Täter?

Ein Opfer wird man durch einen Schaden, den man an Körper oder an der Psyche erlitten hat. Dies kann schon während der Schwangerschaft, Geburt oder in den ersten Lebensjahren geschehen. Dazu gehören Abtreibungsversuche oder der Verlust eines Zwillings im Mutterleib. Oder wenn die Mutter während der Schwangerschaft in einer emotional schwierigen Lebenssituation war oder das Kind nicht wollte.

Ein zu viel oder ein zu wenig an elterlicher Zuwendung und Sicherheit, kann ebenfalls traumatisierend sein.

Viele meiner Klienten machten Erfahrungen in der Kindheit, die sie als Kind nicht verarbeiten konnten wie Trennungen, Scheidungen, Gewalt und Lieblosigkeit durch die Eltern.

Ein Täter wird man durch eine Tat, die einem anderen Menschen einen schweren Schaden zufügt. Dies kann physischer, aber auch psychischer Natur sein.

Eine Täterschaft kann bewusst oder unbewusst geschehen.

Ein erlebter Schaden kann eine traumatische Erfahrung sein

In einem solchen Moment erlebt sich der Betroffene in einem Zustand von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Begleitet von Todesängsten und anderen starken Gefühlen wie Schmerz, Angst, Wut usw.. Der Körper reagiert mit Stress und das Nervensystem reagiert auf die Ereignisse! Unser Nervensystem bestimmt zu einem grossen Teil unseren psychischen Zustand.

Jede Art von Trauma kann eine Täter-Opfer-Spaltung verursachen.

Wenn eine Schädigung erfolgt, wird das Ereignis dissoziiert wahrgenommen, um die Trauma-Anteile nicht spüren zu müssen. Gesunde Ich-Anteile bleiben erhalten, treten aber in den Hintergrund. Gleichzeitig mit der Spaltung entwickeln wir Überlebensstrategien. Diese gehen vor allem mit dem Trauma-Anteil eine fragile Balance ein und meiden sehr wachsam Entwicklungen, die mit dem abgespaltenen Anteil in Verbindung gebracht werden können.

Definition von Trauma

Die Definition von Peter Levine bringt es auf den Punkt: zu viel, zu schnell und zu plötzlich!

Es gibt verschiedene Erklärungen die versuchen zu beschreiben, was einem Menschen passiert sein muss, damit es als Trauma definiert werden kann. Jedoch kann ein Ereignis für eine Person traumatisch sein, das gleiche Ereignis erlebt eine andere Person als nicht so schlimm.

Es hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, vor allem von unserem inneren Zustand, der Stabilität der Lebensumstände und der Regulationsfähigkeit unseres Nervensystems.

Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit einer schweren Geburt, die ungewollt waren oder wo die Mutter während der Schwangerschaft grossen Stress hatte, haben bereits ein sehr empfindsames Nervensystem. Es springt sehr viel schneller an als bei jemanden, der eine schöne und ruhige und natürliche Geburt hatte.

Schädigungen durch die eigenen Eltern hinterlassen die schwersten Traumata.

Beispiele für Überlebensstrategien

Um eine Schädigung psychisch, seelisch zu überleben, erschaffen wir uns unterschiedliche Überlebensstrategien. Was ich häufig antreffe sind:

  • z.B. schönreden und zerreden von schwierigen Situationen und Gefühlen
  • Ausweichen oder analysieren von Emotionen
  • kontrollieren von Gefühlen
  • sich und andere bewerten
  • sich und andere bestrafen
  • Aktionismus
  • jegliche Form von Sucht
  • Wahrheiten missbrauchen (oft im spirituellen Bereich anzutreffen)

Eine Opferhaltung als Überlebensstrategie

Häufig erlebe ich es bei meinen Klienten, dass sie das eigene Opfer-Sein verleugnen oder die Erinnerungen daran verdrängen. Sie wollen stark sein und verachten so unbewusst die eigene Schwäche und somit den eigenen Opferteil. Oder sie fühlen sich schuldig, für das was geschehen ist und binden sich somit emotional an den Täter. Immer wieder erlebe ich es, dass die Täter in Schutz genommen werden. 

Die Folgen einer Opferhaltung können sich in einer Harmoniesucht und im vermeiden von Konflikten und Auseinandersetzungen zeigen. Oder der Fokus wird auf Friedens- und Weltrettungsideale gerichtet. Die Flucht in spirituelle Ebenen und Praktiken ist eine sehr beliebte Überlebensstrategie und hat nichts mit wirklicher Spiritualität zu tun. Wiederholt wird die eigene Wut unterdrückt, diese sucht sich ihren Weg durch körperliche Symptome oder sie wird an einem Schwächeren entladen.

Eine Opferhaltung kann sich auch in einer Überängstlichkeit oder einer Unterwürfigkeit zeigen. Dazu gehört es zu leiden und zu jammern ohne die wahren Gründe dafür zu benennen. Weit verbreitet ist eine Depressivität und chronische körperliche Erkrankungen.

Die körperlichen Symptome bringen das zum Ausdruck, was über Jahrzehnte seelisch abgespalten wurde.

Täter-Sein als traumatische Erfahrung

Jemand hat einem anderen einen Schaden zugefügt, der nicht wieder gut zu machen ist. Ihn plagt ein schlechtes Gewissen und schwere Schuldgefühle. Meist haben die betroffenen massive Schamgefühle und haben Angst vor sozialer Ablehnung.

Täterhaltung als Überlebensstrategie

Jemand der einem anderen einen Schaden zugefügt hat, muss seine Tat verleugnen und die damit verbundenen Gefühle unterdrücken. Beliebt ist es die Schädigung herunterzuspielen und sich selbst als unschuldig darzustellen. Damit wird die Verantwortung abgelehnt und ein gutes Gewissen wird demonstriert. Die Opfer werden verachtet und solche Menschen neigen dazu, sich selbst als Opfer darzustellen.

Opfer-Täter-Spaltung

Die abgespaltenen Gefühle der eigenen Opfererfahrung machen blind für die Realität von Situationen und Menschen, die uns schädigen. Das erklärt, warum wir uns unbewusst wieder eine ähnliche Situation im Aussen suchen oder uns davon angezogen fühlen.

Das führt dazu, dass die Betroffenen gefühllos gegenüber sich selbst werden und immer empfindungsloser anderen gegenüber. Aus Opfern werden Täter, die weder ihr Opfer- noch ihr Täter-sein wahrhaben möchten.

Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun. (Voltaire)

Folgen der Täter-Opfer-Spaltung

Die Täter-Opfer-Spirale dreht sich ununterbrochen in allen zwischenmenschlichen Beziehungen weiter und setzt sich über Generationen fort. Solche Menschen pendeln zwischen einer Opfer- und einer Täterhaltung hin und her. Der Beziehungsalltag ist bestimmt von aggressiven oder depressiven Gefühlen. Daraus können sich eine Vielzahl von Persönlichkeitsstörungen und Verstrickungen entwickeln.

Nicht verarbeitete Schädigungen führen meist zu einem suchtartigem Wiederholen von bestimmten Mustern

Erfülltes Herz

Ein Leben ohne Täter-Opfer-Dynamik

Der eigene Opferteil sollte unbedingt bewusst gemacht werden und die abgespaltenen Gefühle müssen anerkannt und verarbeitet werden. Dadurch entsteht immer mehr ein Gefühl von Selbstverantwortung und Selbstannahme. Was aus meiner Sicht die Grundlage von Selbstliebe ist.

Es geht darum herauszufinden, wie sich eine gesunde Angst, Wut oder Liebe anfühlt und die Beziehungssysteme zu verlassen, die in einer solchen Dynamik gefangen sind.

Das Erlangen einer gesunden Abgrenzung gegenüber anderen Menschen und das Erarbeiten eines liebevollen Selbstbezuges sind wichtige Schritte in die Heilung und Ganzwerdung.

Daraus entsteht allmählich Selbstliebe und dies ist der Nährboden für das Erschaffen von konstruktiven Beziehungen.

Es geht um eine gesunde Selbstfürsorge und ein inneres Ja zu allen Gefühlen und Anteilen, die das eigene Wesen ausmacht. So entsteht allmählich Selbstliebe und diese schafft den Raum, dass ganzheitliche Heilung geschehen kann.

Ein tiefes Mitgefühl für das eigne innere Kind zu entwickeln und dessen Gefühle, ist ein zentraler Teil der Selbstheilung

Wie erkenne ich, dass eine traumatische Erfahrung wirklich integriert ist?

  • Du kannst starke, aufkommende Emotionen selbst regulieren und du fällst nicht mehr in diese Anteile hinein.
  • Der innere Beobachter kann situativ installiert werden, dies erschafft allmählich eine gesunde Distanz zum alten Reaktionsmuster. Somit entsteht eine innere Stabilität und das gibt Boden.
  • Du teilst dich auf der Ebene deines Erwachsenen-Ich mit und setzt Grenzen, wo dies nötig ist.
  • Du fällst nicht mehr die Reaktionsmuster deines inneren Kindes durch angreifen, zurückziehen oder mauern.
  • Du ermächtigst dich selbst und gehst in die Handlung, dass stoppt das Gefühl von Ohnmacht und stärkt dein       Selbstbewusstsein!
  • Du kannst in schwierigen Momenten bewusst durchatmen und deine alten Reaktionsmuster verlassen.
  • Du nimmst wahr, wo du in einer alten Überlebensstrategie gefangen bist und wo du wirklich authentisch im Umgang mit anderen bist.
  • Du vertraust dir selbst und bist wieder mit deinem natürlichen Urvertrauen verbunden.
  • Du übernimmst die volle Verantwortung für deine Gefühle und projizierst nicht mehr auf Andere.

Es geht darum vom Überleben ins Leben zu kommen, von deinen Strategien in dein wahres Selbst!

Ich hoffe meine Ausführungen haben dir diese unglaublich spannende und äusserst vielschichtige Thema etwas näher gebracht. Wenn du Unterstützung auf deinem Weg brauchst oder dich an der einen oder anderen Stelle angesprochen fühlst, melde dich für eine Sitzung bei mir.

Weitere Impulse findest du auch auf meiner Facebookseite:

Von Herz zu Herz mit österlichen Frühlingsgrüssen,
Claudia

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