Was bedeutet Heilung aus ganzheitlicher Sicht?

Zu leben bedeutet, eine fast unendliche Anzahl an unterschiedlichsten Erfahrungen zu machen. Wir erfahren Freude, Lachen, Liebe und ebenso Schmerz, Enttäuschung, Trauer, Einsamkeit und Verlust. Das alles ist Leben, es beinhaltet alles. Jede Erfahrung hat ihre Berechtigung und dient letztendlich dazu, uns selbst besser zu erkennen und zu unserem wahren Selbst zurückzukehren. Indem wir unseren dunkelsten Momenten einen Sinn geben und das Geschenk darin erkennen. Es ist die Bedeutung und Sicht die wir unseren Erfahrungen geben und dies ist das was uns stärkt oder schwächt.

Die Sicht wie du dich selbst siehst und welches Urteil du darüber fällst ist das, was dich am meisten einschränkt oder aber auch frei macht. Wir erschaffen auf allen Ebenen gleichzeitig unendlich viele Momente und ziehen über das Aussen Erfüllungsgehilfen an, die uns diese Realitäten spiegeln. Wir sind Schöpfer die vergessen haben, dass wir selbst es sind, die unsere Realität erschaffen. Oft sind wir uns der unbewussten Programmierungen nicht bewusst und suchen die Ursache im Aussen. So lange bis ein Mensch nicht den eigenen Anteil der Verantwortung erkennt und für diesen Teil die volle Verantwortung übernimmt, hält er sich selbst in diesem Opfer-Täter-Spiel gefangen.

Falsch verstandene Spiritualität kann zur Falle werden

Die Identifikation mit deinen Gefühlen, Gedanken und mit deinem Körper hindert dich daran, dahinter zu sehen und das grössere Bild zu erkennen. Ich erlebe oft in Sitzungen Klienten, die alles tun, um die tieferliegenden Gefühle eines schwierigen Themas nicht mehr fühlen zu müssen. Sie leben in Strategien, Verhinderungsmechanismen bis hin zu Selbstbestrafung und Verleugnung. Das braucht unglaublich viel Energie und mit der Zeit entsteht ein Gefühl von innerer Leere und Sinnlosigkeit.

Das was du am stärksten verdrängst, strahlt wie ein Sender über dein Unterbewusstsein aus und zieht über das Aussen eine Entsprechung an. Du kannst nur eine Realität leben die du kennst und die deinem Innen entspricht. So wundert es nicht, dass viele in Wunschprojektionen leben und diese auch unbewusst auf andere Menschen, Gurus und Lehrer richten.

Mir fällt auf, dass vor allem spirituell lebende Menschen vielschichtige Strategien entwickeln, um nicht mit den wahren Gefühlen konfrontiert zu werden. Ich hatte z.B. einmal eine Klientin, die mit einem Beziehungs- und Wertethema zu mir kam. Sie schilderte mir, dass Sie Mühe bekunde, sich auf ihren Partner wirklich einzulassen. Zudem arbeite sie als Büroangestellte, werde aber nie befördert, obwohl sie immer super Mitarbeiterbewertungen erhalte. Es sei seit Jahren keine Lohnerhöhung mehr ausgesprochen worden und die Situation belaste sie je länger desto mehr.

Im Vorgespräch stellte sich heraus, dass sie sich selber als sehr spirituell bezeichnet und deshalb auch täglich Yoga praktiziert. Durch die körperliche Aktivität, könne sie so alle negativen Gefühle „transformieren“. Sie würde auch mehrmals pro Woche meditieren und habe über einen Onlinekurs erfahren, dass sie sich nicht mehr auf die Vergangenheit, sondern nur noch auf die Zukunft konzentrieren soll. Doch sie habe irgendwie das Gefühl, dass sich die Situation seit Monaten immer mehr zuspitze und sie keinen Schritt weiterkomme.

Emotionalen Ballast abwerfen und endlich frei werden

Diese Situation erlebe ich in den letzten Jahren regelmässig. Immer mehr Referenten verbreiten die Sicht, dass man nicht mehr zurück, sondern nur noch nach vorne blicken solle. Man müsse sich nur noch auf das Licht und die Liebe konzentrieren, nicht auf den Schatten. Doch was genau die gleichen Lehrer verschweigen: Sie selber nutzten die Schattenarbeit, um dahin zu gelangen wo sie heute sind! Und genau das habe ich dann mit der oben erwähnten Klientin gemacht. Wir konnten wunderbar aufschlüsseln, weshalb sie momentan nicht weiterkommt und den Bezug zu Ihrer Kindheit herstellen. Was im Coaching dann so klar und einfach erschien, blieb ihr vorher jahrelang verborgen. Endlich konnte sie Heilung in Ihre Geschichte bringen und den emotionalen Ballast abwerfen. Erst dann spürte Sie ein Gefühl von Leichtigkeit und die nächsten Schritte offenbarten sich klar und deutlich.

Ich erachte es als fahrlässig, Menschen zu vermitteln, sie müssten sich nicht mit ihrer Geschichte auseinandersetzen. Im Gegenteil: Wer sich nicht mit der eigenen Herkunft versöhnt, wird niemals die Zukunft erschaffen können, die er sich wirklich wünscht. Es ist so, als würdest du versuchen zu fliegen, aber Tonnen von Ballast dich runterziehen. Nur mit sehr viel Kraft und Energie könntest du abheben und fliegen.

Bewusste Veränderung führt zu Fülle und Verbundenheit

Eine ganzheitliche Heilung kann aus meiner Sicht nur in allen Körpern geschehen und eine einseitige Ausrichtung verstärkt den eigenen Schatten. Ein emotionaler Schmerz wird nicht über stundenlanges reden oder analysieren oder was hierzulande weit verbreitet ist, möglichst viel Wissen darüber anzuhäufen, geheilt. Es geht darum die ungesunden Speicherungen bewusst zu machen und die Bezüge zu klären, sowie die inneren Bilder und Gefühle dazu zu verändern.

Diese inneren Anteile wollen gefühlt und angenommen werden, dann kann Heilung auch im Emotionalkörper geschehen und die abgespaltenen Fragmente in deinem Bewusstsein wieder integriert werden. Erst wenn du vollständig innerlich „Ja“ zu jedem inneren Anteil gesagt hast, kommen diese zur Ruhe und können somit von innen her gefüllt werden. Somit entsteht mehr und mehr ein inneres Gefühl von Fülle und Verbundenheit mit dir selbst, der Erde und allen Lebewesen. Deine innerseelische Heilung ist dann vollkommen in Einklang mit dem grossen Ganzen.

Aus diesem Bewusstsein heraus kannst du dir dann ein authentisches und selbstbestimmtes Leben erschaffen – weg von Überlebensstrategien hin zu deinem wahren Selbst.

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